ccb Tour 2007

Drau von Nikolsdorf bis Paternion, 76 km in 3 Tagen,
Wanderfluß max WW1, Pegel nahe Hochwasser, Schönwetter.

Es wirken mit: Roland – der Deutsche,
Karin und Armin die coolen,
Sabine und Markus –die unbefangenen,
Heinz der Kartograf,
Matthias-der 13jährige und Wolfgang der Besorgte.

Was niemand ahnen konnte: es wird eine mysteriöse Reise,
eine Fahrt der ungeklärten Fragen!

Tag 1

Mittags starten wir in Nikolsdorf auf der recht schnell fließenden Drau mit zwei Solo- und drei Zweierbooten. Bei diesem Wasserstand sind die technischen Anforderungen gering, Fließgeschwindigkeit und Wasserwucht aber nicht zu unterschätzen. Nach einigen, immer besser gelingenden Kehrwasserübungen haben wir unsere schwer beladenen Boote recht gut im Griff, Start und Einpaddeln sind trocken absolviert und das bleibt auch die gesamte Tour über so. Doch dann passiert das:

Dialog mit meinem Sohn Matthias: Ich: Matz, da vorn ins Kehrwasser! 
M: Da ist kein Kehrwasser! 
Ich: Doch gleich da! 
M: Da ist kein Kehrwasser!
Rummmsss –unser Boot rammt das Ufer. ( Gelächter der Statisten Ha Ha Ha )
Ich (erzürnt): Matz! Wenn ich Dir sage da ist ein Kehrwasser dann hältst Du das Paddel rein! 
M: -und wenn Du sagst am Baum ist ein Kehrwasser?
Ich: Dann streckst Du Dein Paddel ins Geäst! Ist das klar!!!
Heinz: Wolfgang, So kannst Du das auch nicht sag…

Fragen über Fragen:
1) Können Früh- und Spätpubertierende ein Team sein?
2) Darf man aus Eigensinn ein Boot ins Ufer stecken?
3) Darf man von seinem Kind unbedingten Gehorsam verlangen?
4) Was redet Heinz eigentlich dazwischen?

ad 1)    Ich werde es immer wieder tun! – Gute Paddler wachsen nicht auf Bäumen!
ad 2)    Genau 1 mal ! Darauf haben wir uns geeinigt.
ad 3)    Nicht bei unsinnigen Befehlen. ( Mit 7:1 Stimmen)
ad 4)    Seine Tochter ist noch zu klein, er weis es noch nicht besser!

Die erste Tagesetappe ist kurz und so haben wir am Campingplatz in Dellach genug Zeit zum Lagerbau,
mit kleinen Zelten und einem Tarp in der Mitte als Koch- und Versammlungsort. Den Abend verbringen wir auf einer Schotterbank am Fluß und rösten Marshmellows und Mais, im Volksmund „Kukurutz“ genannt, am Lagerfeuer.

Die Nacht bringt die erste, unlösbare Frage: Wer hat am lautesten geschnarcht? Einigkeit herrscht nur über die Tatsache, Diskussionen führen jedoch ins Leere.

Tag 2

-beginnt mit einem ausführlichen Frühstück. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, ob eine Dose gefüllte Paprika am Morgen das Richtige ist. Armin verliert die Abstimmung im Verhältnis 1:7, was Ihn weiter nicht stört, da er ohnehin nicht teilen will!

Abfahrt gegen 10.00, und dann die Frage der nächsten Tage: Wie weit ist es bis…..?

Da ich diesen Abschnitt der Drau schon mehrfach befahren habe, weiß ich um die recht hohe Reisegeschwindigkeit
(siehe ccb-Tour 2006). Um Abstände von Ortschaften und Brücken habe ich eine ungefähre Vorstellung, was mir diesmal ausreichend erscheint, da Heinz genaue Karten mitführt. Besonders Roland will von mir immer genau wissen wie weit bis…? –offensichtlich macht er sich Sorgen um die noch lange Tagesetappe. Meine km-Angaben stimmen nur sehr ungenau, meist ist es doch noch viel weiter als von mir angegeben, zeitlich sind wir aber gut unterwegs.

Dann erreichen wir die Brücke von Greifenburg und wollen noch Fleisch zum Grillen einkaufen. Etwas über 1km schätze ich die Entfernung zum nächsten Laden, alle bis auf Heinz und mich gehen einkaufen. Subjektiv empfinden wir das Warten als kleine Ewigkeit bis Armin als Erster zurück ist. Er hat bei Snack und Cafe die anderen verloren, sie dann  gesucht und schließlich gedacht, sie seien schon fertig und ohne Ihn zurückgegangen. Dann geschieht wieder lange nichts. Hunger stellt sich ein, da wir nach ca. ½ Fahrstunde auf einer Insel im Fluß pausieren und essen wollten. Schließlich kommt das Gros, schimpft und lästert, wie weit es zum Einkaufen wäre, und warum Armin schon lange vor Ihnen hier war bleibt diffus und unerklärlich.

Meine Entfernungsangabe zur Pauseninsel ist wieder deutlich zu kurz, zeitlich aber im grünen Bereich. Pause. Heinz isst. Ich esse. Armin isst. Der Rest hat keinen Hunger!!!

Ungeklärte Fragen:      

War der Fußmarsch zum Geschäft wirklich so lang, dass keiner mehr Hunger hat vor Erschöpfung?
Warum hat Armin trotzdem Hunger?

Karin fragt, warum Sie und Armin kaum mithalten können, obwohl Sie immer ganz innen um die Kurven fahren und somit den kürzesten Weg nehmen?  Endlich eine Frage die ich beantworten kann!

Nach einer Lektion Flusslesen vergeht die restliche Strecke bis Sachsenburg fast zu schnell, pünktlich um 16.00 legen wir beim Campingplatz an. Beim Einfahren ins Kehrwasser drehen wir viel zu früh, was ich auf Unaufmerksamkeit am Ende der Etappe schiebe und schließlich dümpeln wir rückwärts zum Anlegen. Als alle anderen ähnlich verirrt ankommen sehe ich, dass vor dem eigentlichen Kehrwasser schon eine unauffällige aber langsame Strömung unsere Aufmerksamkeit verdient hätte.

Am Campinplatz treffe ich Verwandte, die uns mit der Wettervorhersage ( schwere Gewitter sind in der Nacht zu erwarten ) – wie mir scheint nicht ohne Schadenfreude – erschrecken wollen. Im Verhältnis 8:0 lehnen wir Gewitter ab und genießen einen herrlich warmen Spätsommerabend ohne Insekten, mit Birkenholzfeuer am Flußufer und mit herrlichem Gegrillten.

Tag 3)

Aufstehen, Frühstück … fast schon routiniert, nehmen wir den letzten Abschnitt in Angriff. Roland wird um 12.00 in Spittal abgeholt, hat es jedoch aufgegeben nach Entfernungen zu fragen. Lustige Wellen bei Sachsenburg, die Mündung der Möll, bald eine Rekultivierung die den Fluß wieder etwas attraktiver für Naturfreunde macht, - obwohl Wanderfluss ist immer für Unterhaltung gesorgt. Auch das Vogelschutzgebiet vor Spittal enttäuscht uns nicht, einzig die extrem scharfen Kehrwasser an den Steinschlichtungen lassen wir aus, das ist kein Thema für eine Gebäckfahrt!

Die Frage nach der Anlegestelle beim Drauwirt beantworte ich mit : Ein Stück nach der Brücke, gut 100m. Roland wundert sich auch nicht mehr, als es schließlich 300m sind, doch bei dieser Fließgeschwindigkeit legen wir natürlich exakt um 12.00 an.

Warmer Apfelstrudel mit Schlag (Sahne) und Eis zum Kaffee? – ein würdiger Abschluss für Roland, der die Flachwasseretappe die noch vor uns liegt mit seinem Supernova nicht mitfährt. 

Körperlich gestärkt, doch zahlenmäßig geschwächt setzen wir dir Fahrt fort, erst noch spritzig, dann flott, darauf eher träge und schlieslich ist die Stauwurzel des Kraftwerks Paternion erreicht. Noch ca. 5km Flachwasser, das Tal ist weit geworden und der Fluss ein See. Die Ufer mit ausgedehnten Schilfflächen und Flachwasserbereichen sind Brutstätte für Vögel, Fische, Reptilien, die Sonne wird erstmals als heiß registriert. Ein völlig anderer Paddelrhythmus hat sich eingestellt, Ausdauer ist ein Thema. Heinz hat als einziger Solopaddler die meiste Arbeit. Noch bevor doch jemand an eine Pause denkt ist das Ziel erreicht.

Wenig später fahren Karin Markus und ich mit der Bahn die Autos von Nikolsdorf holen, während die anderen ein letztes Mal auf dieser Tour picknicken. 

Fragen über die ich seither grüble:

Ist es wirklich falsch die aktuelle Fließgeschwindigkeit in Entfernungsangaben einzurechenen, obwohl wir immer pünktlich angekommen sind ?    

Vorschlag für eine neue Einheit: der Kärntner Flusskilometer, 1Kfkm : Entspricht 1km bei 5km/h Fließgeschwindigkeit! 
Für die Drau bei Pegel 80cm Falkensteig: Faktor 2:

Für den Stausee bei Paternion: Faktor 0 , oder so?

Warum können, aus dem Katasterplan gemessene 1.385km bis zum Fleischhauer, von 5 Personen beim Essenholen als unerträglich lang emfunden, und nur unter ärgsten Anstrengungen in ewig langer Zeit bewältigt werden. Ich werde im Selbsttest wohl oder übel auch mein Hungergefühl im Auge behalten.

Wohin geht die ccb-Tour 2008?          Moldau? …

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