Wie finde ich mein Kanu?

…durch Paddeln, und gute Beratung ( leider viel zu selten ).

Kategorie: Wildwasser, Moving Water, Flachwasser, wo liegt der Schwerpunkt ?

Nutzung: Solo, Tandem, drei oder mehr Personen? Am besten ist ein Boot, das den Großteil abdeckt, für den kleinen Rest muß man dann improvisieren.

Material: Royalex fürs Grobe ( voraussichtlich Steinberührung ), Laminate für Flachwasser oder Moving Water ohne Steinkontakt.

Zuladung: Achtung! Nach der idealen Zuladung entscheiden, die max. Zuladung ist ein Papierwert!

Geschwindigkeit: „Länge läuft“ gilt nur, solang sehr hoher Krafteintrag zur Verfügung steht und bis Parameter wie benetzte Fläche … zum entscheidenden Faktor werden.

Leichtlauf: im Unterschied zur Höchstgeschwindigkeit, beschreibt der Begriff leichtes, flottes Vorankommen ohne zu großen Krafteinsatz. Solche Kanus gewinnen nicht den Sprint, sind aber auf Tour regelmäßig vor den Rennbootabkömmlingen am Ziel!

Kielsprung: Ich würde kein Kanu ohne Kielsprung als „vielseitig“ bezeichnen. Einsteiger finden es oft leichter „ohne“ geradeaus zu fahren. Aber zu welchem Preis? Korrekturen fallen viel schwerer, und im Verein mit reichlich Deadwood ist es für viele Marotten zuständig. Zwar läuft das Kanu einfach geradeaus wenn es richtig getrimmt ist, aber Korrekturen sind viel weniger einfach. Dazu kommt die Neigung, einer eingeschlagenen Kurve „nachzulaufen“. Das sind alles andere als „neutrale“ Eigenschaften und wenn die Umstände schwierig werden, sollte man sich nicht zusätzlich mit den Unarten des Kanus herumschlagen müssen.

Pam Wedd, eine der führenden Kanubauerinnen in Ontario (und weltweit) ,auf das Thema angesprochen, sagte sinngemäß: „Wer mit etwas Kielsprung ein Problem hat, soll Paddeln lernen.“
Ich stimme zu!

Tumblehome, gerade Seiten, Flare, Tuck in und Shouldered Flare:
Kanus mit tiefem Tumblehome haben Ihre Gene oft aus dem Rennsport. Dort wo kleinste Wellen stören, ist Vielseitigkeit und Wellentauglichkeit kein Thema. Auch gerade Seitenwände, verraten ein Kanu

Chines: Weiche chines, ein weicher Übergang zwischen Boden und Seitenwand ist für geschmeidiges Fahrverhalten und Sicherheit relevant. Ausnahme: WW-boote

Zuladung:
Der Versuch, über Daten die Zuladung zu vergleichen ist logisch und liefert Anhaltswerte. Einen Schluß über das Verhalten unter großer Zuladung ist damit aber unmöglich. Der Industriestandard sagt in der Tat wenig Brauchbares über eine praxistaugliche Zuladung aus, ähnlich verhält sich das bei den Werten 9″. Zur Begründung muß ich ein wenig über Kanudesign schreiben:

1) Höhe des Süllrandes: ein hoher Bug, und ein hoher Süllrand in der Mitte, suggeriert Sicherheit unter schwerer Zuladung. Aber alles, was über der breitesten Stelle der Form ist, trägt zum Trockenlauf nichts bei, zur Sichertheit schon gar nicht. Trifft nämlich eine Welle auf senkrechte, schlimmer noch, nach innen geneigte Flächen, wird es schwierig.

Abhilfe: flare! Die Form wird nach oben weiter, Wellen treffen immer auf nach außen geneigte Flächen, laufen unter das Boot und Kräfte, die von der Seite auf die Bordwand treffen sind deutlich kleiner.

2) Chines: die Biegung zwischen Boden und Seitenwand sollte möglichst gerundet sein. Deshalb sind Kanus mit flare, tuck in, oder shouldered flare deutlich seetauglicher als solche mit harten chines und tief liegendem Tumblehome.

3) Volumsverteilung: Kanus, die oben enger und unten weiter sind, erreichen mit steigender Zuladung bald einen Punkt, wo sie mit jedem zusätzlichen kg tiefer einsinken. Fahreigenschaften und Sicherheit gehen verloren. Wenn die breiteste Stelle die Wasserlinie ist, wird es schnell unangenehm. Kanus mit gleich schlanker Wasserlinie aber flare ( größte Breite liegt nahe dem Süllrand ) sacken da deutlich weniger weg, Fahreigenschaften und Sicherheit bleiben lang erhalten.

4) Kielsprung: macht Kanus auch ohne Aufkanten besser manöverierbar.

Die Entwürfe von John Winters, waren für mich der Grund, neben dem Handel mit Wenonah und Bellkanus, Swift canoes zu importieren. Die Entscheidung fiel nach ausführlichen Vergleichen verschiedenster Hersteller, beim Testpaddeln am Gull lake und am Oxtongeu lake in Ontario. Heinz und ich gingen bei Sturm und whitecaps raus und der Unterschied sprach für sich. Als in den nächsten Tagen bei guten Bedingungen Leichtlauf und Wendigkeit auf vorher nicht gekanntem Niveau überzeugten, war die Entscheidung gefallen.

Kanu, Kind & Hund

Details: Der Keewaydin ist im Bezug auf Anfangsstabilität in der Mitte der drei Kandidaten. Mit 17″ der kürzeste, natürlich auch deshalb der vielseitigste und wendigste, da er sogar solo noch vernünftig gefahren werden kann. Extremer Leichtlauf, bis zu einer mittleren Zuladung ist seine Stärke.

Der Winisk hat wie gesagt kein Limit: mehr Kraft schnellere Fahrt. Aber: die Anfangsstabilität ist wenig kinderfreundlich, da er auch auf Gewichtsverlagerung sensibel reagiert. Das kann auf Tour den Paddelrhythmus empfindlich stören.

Der Temagami entspricht perfekt Ihrem Anforderungsprofil. Er ist echt voluminös und fühlt sich im Vergleich mit Abstand am ruhigsten an, braucht aber wahrscheinlich den höchsten Krafteinsatz/Strecke. Seine Stärke ist sicher die größte Zuladung, wenn sie überhaupt jemals gebraucht wird.

Die beschriebenen Unterschiede sind natürlich etwas überzeichnet, jedes der Kanus kann Ihre Ansprüche erfüllen. Ich glaube, sie sollten sich nach der voraussichtlich häufigsten Verwendung orientieren. Öfter auch zu zweit oder zu dritt: Keewaydin.

Fast immer mit ganzer Mannschaft und Kücheneinrichtung: Temagami.

Offene See mit Wellen, grenzwertigem Wind und sportlich hohen Tagesetappen: Winisk

Tip: Schiebesitz ganz nach hinten, Kleinkind in den Bug – idealer Platz bis ca 4 Jahre.

Der Kipawa mit 505cm. Ein ausgesprochenes Allround-Kanu, dabei noch sehr handlich, aber mit ausreichend Zuladung. De Kipawa agil und flott, ist das Kanu, das ich am öftesten einsetze, recht egal ob solo, zu zweit oder zu dritt.

Mit 535 ist der Winisk das längste Kanu im Swift-Programm, mit weniger Anfangsstabilität, aber sehr flotter Reisegeschwindigkeit auch bei sparsamen Krafteinsatz. Eines der seetauglichsten Kanus überhaupt! Für Gelegenheitspaddler ist er ohne Zuladung etwas „kippelig“, Paddler, die öfter am Wasser sind, fühlen sich aber schnell wohl und freuen sich über sein hohes Potentiat. Der Winisk wäre für Touren meine Wahl.

Winisk und Kipawa sind tausendfach bewährt in Muskoka, an den großen Seen, … im Algonquin Park sind sie als Verleihboote sogar in Kevlar Fusion unterwsgs, bei den Algonquin Outfitters allein ca. 400 Stück.

Beide sind John Winters Designs, dh. sie haben über die ganze Länge Flare, wirken bei schlanker Wasserlinie etwas breiter als Kanus mit Tumblehome oder Tuck-in, haben aber genau dadurch große Verteile in Wellen und sind extrem Seetauglich. Asymmetrische Form, flacher Rundboden, weiche chines und die Art wie John Winters den differenziellen Kielsprung einsetzt, bringen Leichtlauf und Wendigkeit auf ein kaum vergleichbares Niveau.

Noch recht neu ist der Keewaydin (517cm) im Programm. Die Veredelung des traditionsreichen Kanus haben wir in Canada über drei Jahre mitverfolgt. Im Promotionvideo sagt der Designer David Yost, dass er dabei gelernt hat, Kielsprung in der Art einzusetzen, dass Leichtlauf und Wendigkeit sich gegenseitig nicht ausschließen. Das Ergebnis: Ein Kanu mit guter Anfangs- und Endstabilität, leicht laufend und sogar in nicht aufgekanteter Lage wendig. Ein Kanu mit vielen Tugenden, der Keewagdin gibt sofort Vertrauen, bei hohem Potential.

Ich fahre den Keewaydin gern, wenn meine vierjährige Tochter an Bord ist, sie kann spielen und Mama kann sich auch einmal unerwartet umdrehen ohne Streß zu erzeugen.

Die folgenden Kanus sind für Fließwasser gedacht und werden zwar mit Kontour-Tragjoch, nicht aber mit Schiebesitz im Bug ausgeliefert. Für Tradition in zeitgemäßem Material steht der Prospector mit ca 488cm. Re-designd von David Yost. Etwas schlanker als das Original, macht er auch auf Flachwasser Spaß.

Dumoine und Yukon: John Winters Design, Top -Flußboote ( bis WW 3 ) , die auch auf Flachwasser mögen.

John Winters Designs: Mattawa, Kipawa, Temagami und Winisk haben ausschließlich Flair!

Das bedeutet:

1) Wellen von der Seite heben das Kanu einfach an und laufen unten durch. Wir haben es beim Testen am Oxtongue Lake in Ontario auf die Spitze getrieben. Das Ergebnis: Mein Entschluß Swift nach Europa zu importieren.

2) Bei steigender Zuladung sinkt das Kanu nur wenig tiefer ein, Fahrspaß und Fahreigenschaften bleiben erhalten. Das typische „Baumstammfeeling“ von schwer beladenen Kanus mit vertikalen Seitenwänden kommt erst gar nicht auf.

3) Weiche Chines, mit allen Vorteilen!

Aber nicht nur Flair ist des Geheimnis von John Winders; Differentieller Kielsprung und asymmetrische Form machen die Entwürfe des gelernten Bootsbauingeneurs und begeisterten Paddlers einzigartig.

Solofahren: Mattawa, Kipawa und Winisk sind vom Kniejoch gut solo zu fahren, je länger, desto schneller und windanfälliger. Den Temagami habe ich solo noch nicht gefahren, ich bin schlicht nicht auf die Idee gekommen, das große Kanu so zu verwenden.

Solo im Wind: Ein Bag mit etwas Gewicht vor Dir im Boot gibt Dir die Möglichkeit, durch Vor- und Zurückschieben des Gewichtes einfach zu Trimmen. Gegenwind – mehr nach vorn, Rückenwind -Gewicht nach hinten, sonst – möglichst neutral. Mit einem Paddel mit langem Blatt und „wet recovery“ im Canadian- Northman- oder Indianstyle, gepaddelt auf der windabgewandten Seite, kannst Du dann den Wind als Antriebshilfe nutzen, oder Dir zumindest das J ersparen.

Minimalbesetzung: Ich denke, Du kommst mit jedem der oben angeführten Kanus auch bei Wind zurecht, beim Winisk würde ich etwas Zuladung zum Trimmen mitnehmen.

Die Herkunft von Swiftcanoes ist Gravenhurst / Ontario. Allein in Muskoka sind ca. 2000 Seen jeder Größenordnung, also ähnliche Gegebenheiten wie bei Euch.

Beim Testen am Oxtongue Lake haben wir das Paddeln im Wind auf die Spitze getrieben! Windstärke 3, Schaumkronen überall, aber Heinz und ich wollten parallel zu den Wellenfahren fahren, um zu sehen was geht. Der Wind war auflandig, des Ufer Sand, also sichere Bedingungen. Fazit: etwas Wasser hatten wir durch Spritzer im Kanu, ansonsten machte es richtig Spaß und hier entschied ich mich auch, Swiftcanoes nach Europa zu importieren. Es ist grundsätzlich anzuraten, ein Tandem beim Solopaddeln zur Paddelseite anzukanten. Man ist näher am Wasser, das Paddeln wird bequemer. Die Wasserlinie wird etwas schlanker, je nachdem wie starkt gekantet wird bei Bedarf auch deutlich kürzer. Das Unterwasserschiff ist runder (Chines ) als bei ebener Lage.

Fazit: Beim Solofahren wird das Kanu durch Ankanten beweglicher und schon allein durch die bootsnahe Paddelführung und den daraus resultierenden reduzierten Steuerschlägen, auch flotter. Übergegriffene Schläge sind weitgehend Solobooten vorbehalten, im besprochenen Fall sollte man ohne auskommen.